Die Geschichte Malawis:

 

Einige Anhaltspunkte deuten auf eine Besiedlung um den Malawisee in der Steinzeit und der Eisenzeit hin. Im 1. Jahrtausend n. Chr. wanderten Bantuvölker in das Gebiet des heutigen Malawi ein. Der Name geht auf das gleichnamige Königreich zurück, das um das 16. Jahrhundert einen schwunghaften Handel mit den Küstengebieten Moçambiques betrieb.

Bereits im 17. Jahrhundert besuchten jesuitische Missionare das Gebiet in der Nähe des Malawisees. Die Europäer wussten aber nichts von diesem See bis zu dem Tag, als der schottische Missionar und Entdecker David Livingstone 1859 dessen Ufer erreichte. Der Einfluss der Europäer begann 1875 und 1876 mit der Errichtung schottischer Missionsstationen. 1883 wurde ein britischer Konsul in das Land entsandt. Einsätze gegen arabische Sklavenjäger und die Angst vor einer portugiesischen Expansion von Moçambique aus führten zu einem weiteren Eingreifen seitens der Briten. Der Entdeckungsreisende und Kolonialbeamte Sir Harry Hamilton Johnston handelte in der Folgezeit mit den einheimischen Herrschern Verträge aus, die 1891 zur Errichtung eines britischen Schutzgebiets führten. 1907 wurde das Gebiet offiziell zum Protektorat Njassaland erklärt.

Während des 1. Weltkrieges (1914-1918) erzürnte sich der afrikanische Geistliche John Chilembwe über die Wehrpflicht seiner Landsleute bei den Kriegshandlungen der Briten und inszenierte einen kurzen, blutigen Aufstand um Blantyre. Dieser Aufstand wird als Vorläufer späterer nationaler Bewegungen betrachtet, die sich nach dem 2. Weltkrieg verstärkten. 1953 wurde das Protektorat für zehn Jahre mit Nord- und Südrhodesien (heute Sambia und Zimbabwe) zur Zentralafrikanischen Föderation verbunden, die niemand außer Großbritannien wirklich wollte. Nach der Auflösung der Föderation 1963 erlangte Njassaland das Recht auf Selbstverwaltung mit Hastings Kamuzu Banda, Führer der Malawi Congress Party (MCP), als erstem Premierminister. Am 6. Juli 1964 wurde das Protektorat unter dem Namen Malawi unabhängig. Am 6. Juli 1966 erfolgte die Ausrufung der Republik, und Premierminister Banda wurde zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt. Mit der im Jahr darauf in Kraft tretenden Verfassungsänderung vom November 1970 wurde Banda Präsident auf Lebenszeit.

Unter Bandas Regime begann in Malawi ein wirksames Programm zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung. Auf internationaler Ebene betrieb Banda eine strenge Politik der Neutralität im Konflikt zwischen Großbritannien und der Regierung (Süd-)Rhodesiens. Da er die Interessen seines Landes in den Vordergrund stellte, unterhielt er weit reichende Handelsbeziehungen mit der weißen Minderheitsregierung Rhodesiens. Er pflegte auch freundschaftliche Beziehungen zu Moçambique (bis 1975 unter portugiesischer Herrschaft). 1967 unterzeichnete er ein Handelsabkommen mit der Republik Südafrika und besuchte so als erstes schwarzafrikanisches Staatsoberhaupt den Apartheidstaat. Seine freundschaftliche Haltung gegenüber Südafrika wurde von den Führern anderer schwarzafrikanischer Länder scharf kritisiert. Daher blieb auch sein Einfluss auf innerafrikanische Angelegenheiten sehr gering.

Die ersten Parlamentswahlen seit der Unabhängigkeit wurden 1978 durchgeführt. Obgleich die MCP als einzige Partei zur Wahl stand, verlor ein Großteil der Amtsinhaber ihre Sitze im Parlament. Auch die Wahlen von 1983, 1987 und 1992 waren auf die MCP begrenzt. Malawis Wirtschaft machte Anfang der neunziger Jahre nur schleppende Fortschritte und war durch die hohe Auslandsverschuldung, Dürrekatastrophen und den Zustrom von Flüchtlingen aus Moçambique schwer belastet. Banda sah sich zunehmender Unzufriedenheit im eigenen Land ausgesetzt und musste internationale Kritik wegen eines Berichts über die Lage der Menschenrechte hinnehmen.

Im Mai 1994 ging Bakili Muluzi als Sieger aus den ersten freien Wahlen hervor, nachdem ein Jahr zuvor das Mehrparteiensystem eingeführt worden war. Seine Partei, die United Democratic Front (UDF), erreichte die absolute Mehrheit der Mandate, und Muluzi wurde neuer Staats- und Regierungschef von Malawi. Bei den Parlamentswahlen vom Juni 1999 wurde die UDF erneut stärkste Partei, verlor aber die absolute Mehrheit. Bakili Muluzi wurde im Amt des Staatsoberhaupts bestätigt.

Mit den Wahlen am 20.05.2004 durfte Präsident Bakili Muluzi nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren und machte überraschend den Ökonomen Bingu wa Mutharika (UDF) zu seinem Nachfolger.